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Nordwest-Territorien

Foto Yellowknife Bay

Die Nordwest-Territorien (englisch Northwest Territories, französisch Territoires du Nord-Ouest) sind neben Yukon und Nunavut ein Gebiet (Territorium) in Kanada. Diese drei den Norden des Staates Kanada bildenden Territorien sind im Gegensatz zu den Provinzen im Süden der kanadischen Bundesregierung direkt unterstellt. Hauptstadt der Nordwest-Territorien ist Yellowknife

kein Wahlspruch 

Basisdaten der Kanadischen Provinzen und Territorien

Nordwest-Territorien
Northwest Territories
 (engl.)
Territoires du Nord-Ouest  (franz.)
Kategorie: Territorium
Beitritt: July 15, 1870

  Flaggenlink Wappenlink
      [ Flaggeninfo ] [ Wappeninfo ]
Fläche1,346,106 km²
Land1,183,085 km²
Wasser163,021 km²
Bevölkerung41,462 (2012)
Bevölkerungsdichte0.04 Einw. pro km²
Arealitätsziffer28.53 m² /Einwohner
HauptstadtYellowknife
Größte StadtYellowknife
SprachenChipewyan, Cree, Englisch, Französisch, Gwich’in, Inuinnaqtun, Inuktitut, Inuvialuktun, North Slavey, South Slavey, Tłįchǫ
Parlamentssitze1
Senatssitze1
Postalische AbkürzungNT
ISO-Code 3166-2CA-NT
ZeitzoneUTC-7
Websitehttps://www.gov.nt.ca/
 Wikipedia Eintrag

Lagekarte
Flaggenlink

Übersichtskarte
Übersichtskarte Nordwest-Territorien
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Siedlungskammer Großer Sklavensee
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Geographie

Ausdehnung und Gliederung

Die Nordwest-Territorien grenzen im Westen an Yukon, im Osten an Nunavut, im Südwesten an British Columbia, im Süden an Alberta und im Südosten an Saskatchewan. Im äußersten Südosten stößt das Territorium außerdem am Vierländereck Four Corners an die Provinz Manitoba.

Nach den Großen Seen finden sich hier die größten Seen Kanadas, wie der Große Bärensee mit einer Fläche von 31.153 km² und der Große Sklavensee mit 27.048 km². Zwischen den mit Abstand größten Seen liegt der Lac la Martre, der mit 1776 km² drittgrößte See des Territoriums.

Das größte Entwässerungsgebiet ist das des Mackenzie im Westen, der seinen Ausgang im Großen Sklavensee nimmt. Ihm strömen Flüsse wie der Liard, der wiederum den South Nahanni River aufnimmt, und der Peel River zu, die sich jedoch nur zu einem geringen Teil im Territorium befinden, sowie der Keele River. Im Osten befinden sich zahlreiche Seen, von denen die Vierergruppe Kasba Lake (1341 km²), MacKay Lake (1.061 km²), Aylmer Lake (847 km²) und Clinton-Colden Lake (737 km²) zu den größten zählen. Hottah (918 km²), Selwyn (717 km²) und Wholdaia Lake (678 km²) schließen sich weiter im Osten an.

Im Norden gehören einige Inseln des kanadisch-arktischen Archipels im Arktischen Ozean zum Territorium, wie die Banksinsel, die Prinz-Patrick-Insel sowie Teile von Victoria Island und Melville Island.

Richardson Mountains
Richardson Mountains, Blick vom Wright-Pass auf den Dempster Highway*
Flora und Fauna

Während der Westen und der Süden des Territoriums von Wäldern bedeckt sind, die nach Norden lichter werden, liegt der Osten und der Norden jenseits der Waldgrenze. Häufig vertreten ist die Schwarz-Fichte, jenseits der Waldgrenze dominieren bodennahe Pflanzen, wie Gegenblättriger Steinbrech (purple mountain saxifrage), die am nördlichsten wachsende höhere Pflanzenart.

Im Territorium existieren sieben große Herden von Karibus, die bis über eine halbe Million Tiere umfassen und von denen die im Osten lebende Qamanirjuaq-Herde die größte ist. Ohne sie wäre eine Besiedlung durch die frühesten Bewohner kaum möglich gewesen. Das Tal des Thompsen River auf der Banksinsel bildet dagegen eines der wichtigsten Lebensgebiete für Moschusochsen, die in Kanada seit 1917 unter Schutz stehen. Allerdings dürfen die lokalen Inuit eine kleine Zahl von Tieren pro Jahr erlegen. Ihre Zahl wird auf 50.000 geschätzt, zudem leben rund 26.000 Elche, mindestens 10.000 Vielfraße und 15.000 Wölfe im Territorium.

Klima

Im Süden des Territoriums ist das Klima subpolar, im Norden arktisch. In der sogenannten Kryosphäre herrscht lang anhaltender Frost bis hin zum Permafrost.

Die Sommer sind dementsprechend im Süden etwas milder, im Norden kürzer und kühler. Im Winter sind Temperaturen unter −40 °C keine Seltenheit. So lagen die Temperaturen in Yellowknife zwischen dem 31. Dezember 1993 und dem 19. Januar 1994 durchgängig unter −37 °C.

Trotz eines sehr kalten Winters 2007/08, bei dem Yellowknife neun Tage lang −40 °C erlebte, waren die Winter der letzten 25 Jahre von vergleichsweise hohen Temperaturen geprägt. Die niedrigste jemals gemessene Temperatur von −57,2 °C wurde in Fort Smith am 26. Dezember 1917 gemessen. Die Niederschläge sind dabei gering, jedoch kam es um die Hauptstadt am 20. Juli 2008 zu ausgedehnten Niederschlägen mit starkem Hagel, bei Temperaturen von über 30 °C.

In der Subarktis (Yellowknife) liegt die durchschnittliche Höchsttemperatur im Januar bei −23 °C und 21 °C im Juli, in der arktischen Zone bei −33 °C bzw. 10 °C. Im Juni herrscht dort 20 bis 24 Stunden Tageslicht und bis zu 24 Stunden Dunkelheit im Dezember.

Geschichte

Ursprünglich umfassten die Nordwest-Territorien den überwiegenden Teil Kanadas und dessen gesamten Norden. Das Territorium Yukon gehörte bis 1898 zu den Nordwest-Territorien, die Gebiete der Provinzen Alberta und Saskatchewan bis 1905, Teile von Manitoba bis 1912. Ein weiteres Mal verkleinert wurde das Gebiet mit der Gründung des Territoriums Nunavut im Jahr 1999. Der heute noch gebrauchte Plural für die Verwaltungseinheit Nordwest-Territorien wurde durch die Gründung der beiden anderen territorialen Verwaltungseinheiten sachlich überholt.

Bevölkerung

2016 zählte das Territorium 41.786 Einwohner

Die frühen Bevölkerungsangaben für das Territorium sind zum einen unzuverlässig, zum anderen beziehen sie sich auf das erheblich größere Gebiet der Nordwest-Territorien des 19. Jahrhunderts. So lieferte erst die Volkszählung von 1911, also nach der Abspaltung von Yukon, Alberta und Saskatchewan, genauere und vergleichbare Ergebnisse. Ähnliches gilt für die Volkszählung von 1991 und die Abspaltung von Nunavut.

Die ursprünglich hier lebenden First Nations und Inuit sowie Métis bilden die absolute Mehrheit der Bevölkerung, doch bezeichnet sich etwa ein Fünftel der Bevölkerung als Kanadier, rund die Hälfte hat europäische, vor allem englische, schottische und irische, aber auch französische und deutsche Vorfahren.

Im Territorium sind 26 First Nations anerkannt, denen im Februar 2009 zusammen rund 17.000 Menschen angehörten.

Städte und Orte

Die bei weitem größte Siedlungskammer bildet der Große Sklavensee mit dem oberen Mackenzie. Dort befindet sich Yellowknife, die Hauptstadt des Territoriums, und mit 18.700 Einwohnern der größte Ort. Er liegt am Großen Sklavensee, ähnlich wie die zweitgrößte Stadt Hay River mit 3648 Einwohnern. Etwas weiter südlich liegt Fort Smith, schon fast in Alberta. Ebenfalls im Raum des Großen Sklavensees liegt Behchokò mit 1894 Einwohnern, das frühere Rae-Edzo und mit 1770 Indianern die größte Dené-Siedlung, sowie Fort Simpson und Fort Providence am Mackenzie.

Außerhalb dieser großen Siedlungskammer findet sich eine weitere im Mündungsgebiet des Mackenzie, wo sich Inuvik, die drittgrößte Stadt befindet, ebenso wie Fort McPherson und Tsiigehtchic, das frühere Arctic Red River mit 175 Einwohnern.

Religionen

Der Anteil der Katholiken lag 2001 (damals 37.360 Einwohner) bei 45,7 % der Bevölkerung. Zweitgrößtes christliches Bekenntnis war die Anglikanische Kirche mit 14,9 %, ihr folgte die Vereinigte Kirche (6,0 %), Baptisten und Lutheraner mit 1,8 bzw. 1,1 %. Die sonstigen protestantischen Gruppen umfassen über 5 %, dazu kamen 65 griechisch-orthodoxe und zahlreiche weitere christliche Gruppen, jedoch mit geringen Mitgliederzahlen. Rund 180 Muslime, 30 Juden, 155 Buddhisten, 70 Hindus und 45 Sikhs kamen hinzu. 17,4 % der Bevölkerung gaben keine Religion an.

Wirtschaft

Die Wirtschaft basiert überwiegend auf der Ausbeutung von Rohstoffen. Keine bedeutende Rolle mehr spielt der Pelzhandel, der allerdings für die Entwicklung des Gebiets von erheblicher Bedeutung war. Die Fallenstellerei ist zwar nur noch von geringer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung (0,9 Millionen CAD im Jahr 1999), doch existieren noch rund 5.000 Jagdlizenzen.

Die Waljagd existiert nicht mehr, einzig bedeutsame Fischerei ist die auf dem Sklavensee, wobei fast nur Weißfisch gefangen wird. Auf dem Sklavensee ist kommerzielle Fischerei nicht erlaubt.

Holzwirtschaft wird nur im Tal des Mackenzie betrieben.

In verschiedenen Minen werden, vor allem seit den 1930er Jahren, Gold, Uran, Blei, Zink, Silber, Kupfer, Wolfram und Diamanten abgebaut. Im Jahr 2000 trugen Diamanten 636 Millionen, Gold 56 und Silber 0,25 Millionen Dollar zur Wirtschaftsleistung bei. 1999 musste jedoch die größte Goldmine, die seit 1935 bestehende Giant Mine, schließen, da die Inhaberin, die Royal Oak Company, bankrott war. Außerdem existieren im Mackenzie-Delta umfangreiche Reserven an Erdöl (bei Norman Wells) und Erdgas. Während das Öl nach Alberta fließt, wird das Gas von Bent Horn auf Cameron Island nach Montreal verschifft.

Bis 1986 kam die gesamte kanadische Wolframproduktion aus dem Territorium. Insgesamt beschäftigen die Minen rund 2000 Mitarbeiter, was etwa 15 % der Arbeitsplätze entspricht. Zu den Diamantenminen in den Nordwest-Territorien gehören die Ekati-Diamantenmine, die Diavik-Diamantenmine und die Snap-Lake-Diamantenmine.

Die Minen nördlich der Stadt Yellowknife sind von der Außenwelt abgeschnitten und an nur zwei Monaten im Jahr über die Eisstraße Tibbitt to Contwoyto Winter Road an das amerikanische Straßennetz angeschlossen. Die Doku-Serie Ice Road Truckers behandelt diese Besonderheit.

Stromproduzenten sind die Northwest Territories Power Corporation, die 49 Orte beliefert, und die Northland Utilities Enterprises Ltd., die fünf Orte versorgt. 1994 lagen dabei 84 % der Kapazitäten bei ersterer Gesellschaft. Rund drei Viertel der Energie stammten dabei aus thermischen Quellen, ein Viertel aus Wasserkraft, also von Kraftwerken bei Yellowknife, Snare (allein drei Kraftwerke) und Taltson.

Im Süden wird zwar etwas Landwirtschaft betrieben, doch die meisten Nahrungsmittel werden importiert, wobei die niedrigen Preise wiederum eine lokale Landwirtschaft verhindern. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist im Dienstleistungsbereich tätig, etwa ein Fünftel in der öffentlichen Verwaltung. Aufgrund der Bodenschätze und der relativ geringen Bevölkerungszahl haben die Nordwest-Territorien das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf aller Provinzen und Territorien Kanadas.

Von wachsender Bedeutung ist der Tourismus, obwohl die Region nicht leicht zu erreichen ist. Dazu tragen erheblich die Nationalparks bei, wobei diese auch Verwaltungsstellen schaffen. So wird Wood Buffalo von Fort Smith, Nahanni von Fort Simpson und Aulavik von Sachs Harbour aus verwaltet.

Schließlich trägt der Kunstmarkt erheblich zu den Familieneinkommen der Ureinwohner bei, wie etwa Drucke und Skulpturen der Inuit. Fast 50 Kooperativen versorgen rund 5.000 Menschen mit Arbeit und Einkommen. Dabei unterhalten diese Kooperativen auch Hotels, Restaurants und Geschäfte.


Siehe auch

Weblinks

Quellen

Bildernachweis