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Westafrika

Unter Westafrika versteht man im Allgemeinen den westlichen Teil des Afrikanischen Kontinents, nordwärts bis etwa zur Zentralsahara, im Süden und Westen durch den Atlantischen Ozean begrenzt. Geographisch gesehen gehören zum Westteil Afrikas auch die nördlich der Sahara (und damit in "Nordafrika") gelegenen Länder des Maghreb.

Westafrika ist geprägt von den Gegensätzen der frankophonen und anglophonen Staaten, auch als Folge unterschiedlicher Auffassungen von Kolonisierung durch Franzosen und Briten. Die Bindungen der ehemaligen Kolonien an ihre Mutterländer sind zum Teil enger als zu den Nachbarländern. Die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS dient der Integration Westafrikas und bemüht sich in den zahlreichen Krisenregionen um Frieden (Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste).

In Westafrika befinden sich nach der UN-Statistikabteilung im Statistikregion Westliches Afrika folgende Staaten:

Benin
Burkina Faso
Cabo Verde
Côte d'Ivoire
Gambia
Ghana
Guinea
Guinea-Bissau
Liberia
Mali
Mauretanien
Niger
Nigeria
Senegal
Sierra Leone
Togo

Hinzu kommt das im Südatlantik gelegene britische Überseegebiet St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha.

Die Abgrenzung „Westafrikas“ von Nordafrika, Subsahara-Afrika und Zentralafrika ist nicht eindeutig. Gelegentlich werden auch die östlichen Staaten Kamerun und Tschad zu Westafrika, die nördlichen (Mauretanien, Mali und der Niger) zu Nordafrika gerechnet.

Geographie

Die Großregion erstreckt sich über einen Großteil des afrikanischen Kontinents, der Teile der Sahara im Norden einbezieht und im Süden von den Küstenregionen des Atlantiks bis zu dem Hochland von Adamaua und dem Kamerunberg erstreckt. Allgemein umfasst Westafrika den westlichen Teil der Großlandschaften des Sahel und des Sudans, sowie die Regenwälder der Oberguineaschwelle. Das Klima der Großregion ist aufgrund ihrer Ausdehnung höchst unterschiedlich, während der Norden der Region ganzjährig im Einflussgebiet des trockenen Passat-Windes liegt, hier auch Harmattan genannt, steht der Süden der Region unter Einfluss des Westafrikanischen Monsunsystems und wird als tropisch-wechselfeucht Klimata bezeichnet, mit regional unterschiedlich ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten.

Die Vegetationsformen sind ebenfalls unterschiedlich, während im Norden die Vegetationsformen der Sahara vorherrschend sind, dehnen sich im Bereich des Sahel die Trockensavannen der Süd Sahara Gras- und Strauchsavanne und der Sahel Akazien Savanne aus. Im Sudan herrschen die Feuchtsavannen der Westlichen Sudan Savanne vor, und auf der dem Wind zugewandten Seite der Oberguineaschwelle existiert ein ausgedehnter Regenwald.

Geschichte

Vor der Ankunft der Europäer bestanden in Westafrika bedeutende Reiche wie Ghana, Mali und Songhai. Ab dem 15. Jahrhundert gründeten Briten, Brandenburger, Dänen, Franzosen, Niederländer, Portugiesen und Schweden Forts und Faktoreien entlang der Küste, vor allem um den lukrativen Sklavenhandel mit Nordamerika betreiben zu können.

Westafrika hatte lange Zeit den Ruf als „Grab des weißen Mannes“. Im 18. Jahrhundert starben 25 bis 75 % der neuankommenden Europäer innerhalb des ersten Jahres nach Ankunft an Tropenkrankheiten wie Malaria, Gelbfieber oder der Schlafkrankheit. Später waren es schätzungsweise immer noch gut 10 %. Die Ausbreitung dieser Krankheiten wurde durch die hohe Verbreitung von Malariamücken und Tsetsefliegen sehr begünstigt. Hinzu kamen die schlechten hygienischen Bedingungen während der Regenzeit, welche zusätzlich zur Amöbenruhr führen konnten.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde die koloniale Aufteilung zementiert. In Westafrika lagen um 1900 die ausgedehnten Kolonialgebiete von Britisch-, Deutsch- und Französisch-Westafrika.

Um 1960 kam es zu einer Unabhängigkeitswelle im Zuge derer zahlreiche westafrikanische Staaten souverän wurden.

Bevölkerung

Im Übergangsbereich zur Sahara und in Mauretanien leben hellhäutige Berber (Tuareg) und Araber, südlich davon vor allem schwarzafrikanische Völker.

Eine Diaspora von Libanesen und Syrern lebt vor allem in den großen Städten.

Viele Westafrikaner sind Anhänger indigener Religionen; der Islam hat im Mittelalter an Einfluss gewonnen. Minderheiten von Christen leben als Folge europäischer Missionierung vor allem an der südlichen Küste. Die Fellowship of Christian Councils and Churches in West Africa besteht seit 1994.

In Westafrika werden über die Hälfte der afrikanischen Sprachen gesprochen. Es dominieren die nigerkordofanische und die afroasiatische Sprachgruppe. Bedeutend für die traditionelle Kultur der Savannen- und Regenwaldvölker sind die mündliche Überlieferung des Wissens durch Griots sowie der Gebrauch von Masken und Tänzen zu zeremoniellen Anlässen.

Wirtschaft

Die Sahelstaaten gehören zu den ärmsten der Welt, Nigeria ist trotz Ölreichtums stark unterentwickelt. An den Küsten gibt es Monokulturen einer auf den Export ausgerichteten Landwirtschaft. Eine große Zahl Westafrikaner betreibt Subsistenzwirtschaft.

Infrastruktur

Das Straßennetz ist dürftig ausgebaut, Eisenbahnen existieren infolge kolonialer Wirtschaftspolitik nur als Transportmöglichkeit einiger Binnenstaaten zur Küste. Bedeutende Häfen sind Dakar, Conakry, Abidjan, Accra, Lomé, Lagos und Freetown.

 
Schematische Karte Westafrika
Dunkelgrün die westafrikanischen Länder nach UN-Kriterium, hellgrün die Region Maghreb
 
Satellitenaufnahme nördliches Westafrika
Der nördliche Teil Westafrikas

Siehe auch

Weblinks

Quellen

Bildernachweis