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Datei:Karte Neuguinea.png

Neuguinea

Neuguinea ist mit einer Fläche von 786.000 km² nach Grönland die zweitgrößte Insel der Erde. Der Westteil, West-Papua (Irian Jaya, West-Neuguinea), wurde 1963 von Indonesien besetzt. Der Osten der Insel ist seit 1975 Teil des unabhängigen Staates Papua-Neuguinea. Neuguinea besitzt den größten Tropenwald Australasiens, die reichhaltigsten Korallenriffe der Welt und die reichste Biodiversität außerhalb des Amazonas. Weltweit einzigartig ist auch die Anzahl von über eintausend indigenen Sprachen.

Geographie

Die Insel Neuguinea liegt im Norden des australischen Kontinents, von dessen Festland sie erst infolge des Anstieges des Meeresspiegels nach der letzten Eiszeit vor 8000 Jahren getrennt wurde (Torres-Straße). Im Westen stellt sie das Bindeglied zu Südostasien dar. Sie liegt nah am Äquator

Flora und Fauna

Neuguinea ist ein tropisches Land und hat eine große ökologische Vielfalt. Viele hier heimische Tiere und Pflanzen kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor (sogenannte Endemiten).

Auf Neuguinea leben etwa 400 bis 600 Vogelarten (zum Beispiel 43 Paradiesvogelarten und 12 Arten Laubenvögel), über 400 Amphibien, 455 Schmetterlingsarten und 180 bekannte Säugetiere, darunter verschiedene Nagetiere und etwa 70 Fledermausarten. Auch Beuteltiere findet man auf Neuguinea; es leben etwa 70 Arten, wie z.B. der Wollkuskus und andere in den Wäldern. Darüber hinaus leben auf Neuguinea Amphibien und Reptilien wie Warane, Schlangen wie zum Beispiel der Grüne Baumpython oder der Papuapython und einige Krokodilarten. Artenreich vertreten sind auch Insekten und Spinnen (ca. 3000 Arten). In den Lagunen, Seen und Flüssen leben über 1.000 Fischarten, davon allein 158 Arten von Süßwasserfischen.

Etwa 11.000 Pflanzenarten sind auf Neuguinea heimisch, davon entfallen 2.500 auf die Orchideen und 1.200 auf Bäume.

Der Westteil der Insel ist als einer der wenigen Teile der Erde noch nicht vollständig kartographiert. Aufgrund oftmals tief hängender Wolken über dem dicht bewaldeten Gebiet im westlichen Landesinneren der Insel, durch welches keinerlei Straßen oder Wege führen, ist dieses Gebiet trotz neuer Möglichkeiten durch Satellitentechnologie noch nicht in Atlanten verzeichnet.

Im Süden West-Papuas liegt der 23.555 km² große Lorentz-Nationalpark.

Bevölkerung

Neuguinea wird von 1.089 verschiedene Sprachen sprechenden indigenen Bevölkerungsgruppen bevölkert. 

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Geschichte

Frühzeit

Die Insel Neuguinea war vor 60.000 bis 50.000 Jahren, als sie erstmals von Menschen besiedelt wurde, der nördliche Teil von Sahul, einer zusammenhängenden Landmasse, die den gesamten Kontinent Australien umfasste. Die Menschen wanderten damals mit Hilfe kleiner Boote von Westen aus ein, denn damals waren die westlich von Neuguinea gelegenen heutigen Inseln keine Inseln, sondern höher gelegene Teile der ebenfalls zusammenhängenden Landmasse Sunda, die der südliche Teil des asiatischen Kontinents war.

Vor etwa 30.000 Jahren wurden das Hochland und einige Inseln besiedelt.

Seit etwa 10.000 Jahren wird Ackerbau betrieben. Damit gilt die Insel als eine eigenständige Wiege der Landwirtschaft. Der Nachweis von weiteren Zivilisationsgegenständen ist aber sehr schwierig, da in dem Tropenklima alles organische Material schnell verfällt. Im Zuge des Abschmelzens der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 6.000 Jahren wurden weite Küstengebiete überflutet, was das Wissen über frühe Küstenkulturen stark einschränkt.

Vor ca. 7000 Jahren ist der Anbau von Zuckerrohr und Bananen im Hochland nachgewiesen. Es wurden Überreste von Taro-Wurzeln gefunden, die ebenfalls als landwirtschaftliche Hinterlassenschaften gedeutet werden, da sie im Hochland nicht natürlich vorkommen. Auch wurden Entwässerungskanäle entdeckt.

Vor mehr als 2000 Jahren besiedelten Menschen der austronesischen Sprachfamilie vorwiegend die Küstengebiete Neuguineas, da diese zur Lapita-Kultur gehörenden Menschen hervorragende Seefahrer waren.

Aus der Zeit vor der Entdeckung durch die Europäer ist bekannt, dass es schwache Verbindungen zum östlichen Teil des malaiischen Archipels gab.

Erste Kontakte mit Europäern

Als erste Europäer erblickten spanische und portugiesische Seefahrer zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Insel. 1526 landete Jorge de Meneses zufällig auf Neuguinea. Er soll das Land „Papua“ benannt haben – nach einem malaiischen Wort für „kraus“ –, um das krause Haar der melanesischen indigenen Bevölkerung zu bezeichnen.

1545 landete der Spanier Íñigo Ortiz de Retez und nannte die Insel „Neuguinea“, weil ihn die Küste an die des afrikanischen Guinea erinnerte, wo er zuvor vorbeigesegelt war.

1623 kartographierte Jan Carstenszoon im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie große Teile der Küste. Die Niederländische Ostindien Kompanie unterhielt ab diesem Zeitpunkt geschäftliche und machtpolitisch motivierte Kontakte zu der Region und dem Sultanat Tidore.

Ära der Kolonialzeit bis zum Ersten Weltkrieg

Die Kolonisierung Neuguineas zur Zeit des Imperialismus erfolgte in drei Schritten: durch die Niederlande, durch Großbritannien und durch das Deutsche Reich. Die Annexionen, die kurz nacheinander stattfanden, führten zu einer Aufteilung Neuguineas in drei Einflusssphären, in deren Folgezeit sich unterschiedliche Entwicklungen ergaben.

1828 fand eine staatlich finanzierte Expedition des Vereinigten Königreichs der Niederlande in die Südsee statt, in deren Folge die Niederländer die Halbinsel Vogelkop im Westen der Insel besetzten und eine Siedlerkolonie errichteten.

1884 wurde der Rest der Insel unter den Niederlanden, Großbritannien und dem Deutschen Reich aufgeteilt. Die Niederlande nahm die Westhälfte der Insel (Niederländisch-Neuguinea, welches von 1898 bis 1962 Teil Niederländisch-Indiens war), Großbritannien den Südosten (Britisch-Neuguinea), Deutschland den Nordosten (Kaiser-Wilhelms-Land).

Die Neuguinea-Kompagnie erhielt am 17. Mai 1885 durch einen kaiserlichen Schutzbrief Hoheitsrechte in Kaiser-Wilhelms-Land und übernahm damit auch hoheitliche Aufgaben. Ab 1899 verwaltete das Deutsche Reich dann die Insel unter eigener Verwaltung, als Teil von Deutsch-Neuguinea.

Der britische Teil wurde 1906 als Papua an Australien abgetreten, der deutsche Teil wurde 1919 als Neuguinea australisches Völkerbundsmandat. Die Entwicklung der beiden Gebiete verlief wegen der getrennten gehaltenen Verwaltung, recht unterschiedlich. Beide Territorien wurden 1949 unter gemeinsamer australischer Verwaltung zum Territorium Papua und Neuguinea zusammengelegt.

Situation im Zweiten Weltkrieg

Im Pazifikkrieg besetzte die Armee des Japanischen Kaiserreichs von 1942 bis 1945 den Norden der Insel. Die Papua unterstützten die Alliierten, indem sie Ausrüstung und verletzte Menschen quer durch Neuguinea transportierten. Die Hauptstadt Port Moresby wurde zeitweise Hauptquartier des US-amerikanischen Generals Douglas MacArthur. Die Kämpfe zwischen Japanern und Alliierten dauerten drei Jahre und verliefen an einigen Orten sehr erbittert. An vielen Küstenorten liegen immer noch versunkene Kriegsschiffe aus jener Zeit. Bekannt geworden ist auch der Kokoda Track, auf dem die japanische Armee nach Port Moresby marschierte.

Das 1949 unabhängig gewordene Indonesien erhob Anspruch auf den Westteil von Neuguinea, dieses blieb aber zunächst niederländisch.

Zeitgeschichte

Niederländisch-Neuguinea wird Teil Indonesiens

Ab 1957 begannen die Niederlande und Australien, Pläne für die Unabhängigkeit eines vereinigten Neuguinea in den 1970er Jahren zu entwickeln. 1961 wurde eine Versammlung in Westpapua abgehalten und ein Parlament, der Nieuw Guinea Raad, eingeführt. Indonesien marschierte daraufhin in Irian Jaya, dem nun umbenannten Westteil Neuguineas, ein und begann etwas später, die Papua aus den Gebieten zu vertreiben, in denen Siedler aus Indonesien, vor allem von Java, angesiedelt werden sollten. Bis heute haben etwa 300.000 von ehemals 700.000 Papua dadurch ihr Leben verloren, etwa 800.000 malaiische Indonesier sind mittlerweile nach West-Papua eingewandert. Grundlage dafür ist eine Politik, die Transmigrasi genannt wird.

Die Nationalflagge von West-Papua wird Morgenstern genannt und besteht aus einem weißen Stern auf rotem Grund mit blauen und weißen horizontalen Streifen, die vom Flaggenmast wegzeigen. Diese Flagge (Niederländisch: „Morgenster“) wurde 1961 von der niederländischen Regierung als Symbol und erster Schritt zur geplanten Selbstregierung der Papua-Bevölkerung eingeführt. Unter der Suharto-Regierung hatte das Hissen der Flagge Gefangenschaft, Folter oder sogar Tod zur Folge.

Britisch- und Deutsch-Neuguinea werden zu Papua-Neuguinea

Im Osten Neuguineas wurden 1972 Wahlen abgehalten und die Bevölkerung stimmte für die Unabhängigkeit. Im Dezember 1973 wurde Papua-Neuguinea autonom und erhielt am 16. September 1975 die volle Souveränität.


Quellen

Bildnachweis

Weblinks